Ein DU ist zu viel für MICH

„PND“.

So lautet sie, die Abkürzung für die pränatale Diagnostik.

Sie hat begonnen mich zu beschäftigen, als ich auf eine deutsche Debatte bezüglich der Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik (PID) gestossen bin. Die pränatale Diagnostik scheint zwar auf den ersten Blick als Bereich des Gesundheitswesens, aber ich nehme sie auch als wichtigen Punkt des Sozialwesens wahr.

 

„Die PND bietet die Möglichkeit, die physischen Konditionen eines ungeborenen Kindes anhand von Tests im Mutterleib sehr früh zu erkennen. Den Eltern wird angeboten, das Leben des Fötus zu beenden, wenn eine Anomalie in der Genetik oder eine sonstige schwerwiegende Beeinträchtigung festgestellt wird.“

 

Dieses Thema beschäftigt mich, da es für mich ausschlaggebend dafür ist, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegt.     Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir anfangen, mit dem Leben zu spielen und Dinge zu beeinflussen, von denen ich mir nicht sicher bin, ob wir sie beeinflussen sollen oder dürfen.

Wir leben in einer Gesellschaft, die immer mehr vom Egoismus geprägt ist.

Die Medien vermitteln uns, dass es das Wichtigste ist, die eigenen Bedürfnisse zu stillen und einen Standart des absoluten Wohlbefindens zu schaffen. Diese fordernde Haltung, bedingt durch den standardisierten Egoismus, legitimiert mittlerweile Dinge, die vor nicht allzu langer Zeit ethisch undenkbar gewesen wären.

 

Dinge wie Abtreibung.

 

Abtreibung ist faktisch das Beenden eines entstehenden, oder bereits bestehenden Lebens.

Die Gründe dieser Schwangerschaftsabbrüche sind sehr häufig geprägt von dem Wunsch nach eigenem Wohlbehagen. Womit wir wieder bei dem in unserer Zeit hochgehaltenen „eigenen Komfort“ sind.

 

Zusammenfassend drängt sich mir der Gedanke auf, dass heutzutage der Wert des eigenen Wohlbefindens über dem grundsätzlichen Recht zu leben steht. Diesen hohen Stellenwert hat offensichtlich der Egoismus in unserer Gesellschaft eingenommen.

Viele soziale Probleme scheinen mir bedingt durch Egoismus. Als Beispiel der Umstand, dass manche Eltern lieber ihren eigenen willkürlichen Bedürfnissen nachgehen, anstelle derer ihrer Kinder, wodurch sie diese dann vernachlässigen.

Sie stellen also ihr eigenes Wohlergehen über das ihrer Schutzbefohlenen, wodurch diese dann Schäden davontragen und häufig ebenfalls in ein solches Verhalten rutschen.

Unweigerlich entsteht somit ein Teufelskreis egoistischen Verhaltens, welches dem gesamten Umfeld schadet. Und dann sind wir bereits an dem Punkt angelangt, an dem das Sozialwesen eingreifen muss, um die Schäden wieder so gut es geht zu richten.

 

„Ist es nicht schockierend wie die Wertesysteme von uns Menschen aufgebaut zu sein scheinen?“

 

Wir fordern viel und geben wenig.

Und ich werde das Gefühl nicht los, dass es,  wenn sich das Denken von heute weiter in diese Richtung bewegt, nicht gut rauskommen kann.

Durch die pränat. Diagnostik und die Möglichkeit, die Genetik zu beeinflussen (wie es u.A. durch die Legalisierung der PID nun bewerkstelligt wird), sind wir auf dem Weg, eine körperlich perfekte Gesellschaft zu schaffen.

Die Kluft zwischen denen, die sich diesen Perfektionismus leisten können und denen, die es nicht können oder wollen, wird immer grösser und offensichtlicher.

Es wird schwieriger, die „Unperfekten“ in das Grosse und Ganze zu integrieren.

 

Das verheerende an dem ganzen Perfektionswahn scheint mir, dass die Frage nach dem Menschen „an sich“ an den Rand gedrängt wird.

Das, was uns und unseren sozialen Wert ausmacht:

Unsere Charaktere, der Umgang miteinander und das interessante Aufeinandertreffen von verschiedenen sozialen Schichten, die jede in sich trotzdem nicht perfekt ist.

 

Der Sachverhalt ist hier überspitzt dargestellt, dessen bin ich mir bewusst.

Dennoch glaube ich, dass wir uns zu sehr nach dem Schöpferstatus ausstrecken.

Wir wollen eine Welt schaffen, die uns perfekt erscheint, in Wirklichkeit aber unzufrieden macht.

Und die pränatale Diagnostik unterstützt diese Entwicklung, indem sie angehende Eltern warnt, dass ein in manchen Augen fehlerhaftes Kind ihre Welt einzuschränken droht, was zu verhindern in der Gesellschaft nicht mehr wirklich verrufen ist.

Notwendig sind PN-Tests nicht, wenn die Eltern bedingungslos bereit sind, ein Baby, welches ihren Komfort vielleicht sehr stark beeinträchtigen wird, selbstlos in ihrer Welt willkommen zu heissen.

Was, wie ich finde, definitiv ein Schritt in die richtige Richtung wäre.

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