Papagei oder graue Maus? Mein Frieden mit meiner natürlichen Haarfarbe

Ganz ehrlich? Diese Entscheidung  ist mir überhaupt nicht leicht gefallen. Obwohl ich seit Langem weiss, dass es für meine Gesundheit und auch für meine Umwelt schädlich ist. Der Verzicht tut nicht weh und löst auch keine Entzugserscheinungen aus. Anlass war eine hartnäckige Allergie, die ich mir durch billigen Modeschmuck zugezogen hatte. Um das Ganze nicht noch mehr zu reizen, musste ich eine Zwangspause einlegen. Ich habe einige Berichte und Bücher zu dem Thema gelesen und habe irgendwie gehofft, dass die Chemie vielleicht doch  nicht so schlimm ist und dass sich die Allergie überhaupt nicht verschlechtern wird, wenn ich so weitermache. Irgendwie habe ich wohl auf ein Wunder gehofft. Aber weit gefehlt. Das Zeug ist noch viel schädlicher, als ich mir vorstellen konnte und so ist es dann passiert:  Ich habe den Entschluss gefasst, meine Haare nicht mehr zu färben und der Natur ihren freien Lauf zu lassen. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, schaue ich vermehrt auf die Köpfe meiner Mitmenschen und meistens erblicke ich Haare in den buntesten Farben, die ganze Palette von hellblond bis tiefschwarz. Es sind auch nicht mehr nur die „älteren“ Frauen, welche zur Chemie greifen. Nein, vermehrt sind es auch junge Mädchen und immer öfter auch die Herren der Schöpfung. Jugend und Schönheit sind halt Trumpf in unserer heutigen Gesellschaft. Je ausgefallener umso besser.

Ich habe mich gefragt, warum ich so Mühe damit habe, meine grauen Haare ungefärbt zu lassen. Schliesslich hat es ja auch Vorteile, wie zum Beispiel vom Zwang des Haaransatz-Nachfärbens befreit zu sein. Ausserdem ist es auch billiger und zeitsparender beim Coiffeur und gesünder auf alle Fälle. Eigentlich möchte ich meiner Gesundheit ja Sorge tragen und meinen Körper nicht mit unnötigen Schadstoffen belasten. Und was so in Haarfärbemitteln enthalten ist, sollte nicht bedenkenlos auf den Kopf gepflastert werden. Es hat schon seinen Grund, warum schwangeren Frauen oder stillenden Müttern davon abgeraten wird, die Haare zu färben. Krass eigentlich, welches Gift im Supermarkt frei erhältlich ist. Und die Benutzer werden immer jünger, also summiert sich die schädliche Belastung im Laufe des Lebens noch mehr. Leider sind auch so genannte Tönungen nicht viel verträglicher, und die rein natürlichen Pflanzenfarben können leider auch Allergien auslösen. Die allergische Reaktion meines Körpers ist nur ein Merkmal von vielen, welches sich im Moment zeigt. Manchmal macht sich der Körper auch erst Jahre später bemerkbar.

Und trotzdem betrachte ich kritisch im Spiegel, wie meine grauen Haare immer besser zu sehen sind. Warum stört mich das? Früher habe ich mir blonde Strähnchen machen lassen und jetzt sind es einfach silbrige. Wo liegt das Problem? Wirke ich älter oder unattraktiver, vielleicht sogar ungepflegt? Dabei bin ich ja immer noch genau dieselbe Frau, wie mit makellosen, braunen Haaren. In der Werbung wird uns vorgemacht, wie eine erfolgreiche, attraktive Frau auszusehen hat. Ganz egal welches Alter. Doch wer bestimmt eigentlich, was schön und was hässlich ist? Eigentlich ist es ja gar noch nicht so lange her, da war es halt unausweichlich, dass mit zunehmendem Alter auch die Haare ihre Farbe wechseln. Vor allem bei den Männern war das überhaupt kein Problem, es verlieh dem Träger eher etwas wie Reife, Würde und Weisheit, alles erstrebenswerte Eigenschaften, die auf ein Leben mit Erfahrungen hinweisen. Bei den Frauen galt es leider schon eher als Alterserscheinung, wenn die Haut runzelig und die Haare grau werden. Schade eigentlich, ich bin nämlich der Meinung, dass der Charakter und die Leistungen eines Menschen nichts mit der Haarfarbe zu tun haben. Früher war das Alter ein angesehener Lebensabschnitt. Heute will niemand mehr alt sein und so versuchen wir, der Natur ein Schnippchen zu schlagen mit allerlei Wässerchen, Salben und sehr viel Chemie.

Also, ich habe jetzt beschlossen, dass ich mich gut finde, so wie ich in meinem Lebensabschnitt bin. Ich muss nicht mehr 20 sein, diese Zeit habe ich bereits gelebt. Ich darf 47 sein und ich darf auch so aussehen, denn das ist jetzt meine Gegenwart. Ich brauche nicht einem ewig jugendlichen Bild nachzurennen, was ab einem gewissen Alter sowieso nicht mehr schön, sondern eher bemitleidenswert wirkt. Und es kann mir ja egal sein, wenn mich einige Mitmenschen nicht verstehen. Ich glaube, dass Gott mich perfekt geschaffen hat und mir die Haarfarbe geschenkt hat, die in jedem Alter am Besten zu mir passt.  Ich bin einzigartig, egal ob mit braunen oder grauen Haaren und das gilt auch für Dich. Gott sei Dank!

 

Naomi

 

Zum Nachdenken:

Hast Du dich schon einmal gefragt, welche Auswirkungen unser Gebrauch an belastenden Haarfärbemittel und Kosmetika für die Gewässer, Tiere, Natur und schlussendlich wieder für Dich und Deine Mitmenschen haben?

 

Schreib einen Kommentar