Stillen: Sättigt meine Milch genug?

Wenns um’s Stillen geht, wird kaum ein Thema öfters diskutiert, als die Sättigungseigenschaft der Muttermilch. Reicht die Menge für mein Baby? Ist meine Milch genug sättigend?

Wie ist es aber möglich, dass so viele Mütter zu wenig Muttermilch produzieren? Oder wieso sättigt die Milch zu wenig? Wie haben wir dann überlebt, als es noch keine Pulvermilch gab?

Viele Mütter hören auf zu stillen, weil die Milch (scheinbar) nicht mehr ausreicht. Dabei fällt auf, dass dies meist um die 5. / 6. ; 8. und 12. Lebenswoche der Fall ist. In dieser Zeit durchlaufen Babys grössere Entwicklungssprünge. Zufall? Wohl eher nicht.

Während eines Entwicklungssprungs wird Ihr Baby viel öfter als sonst trinken wollen. Das ist ein natürlicher Vorgang, der Ihrer Brust dabei hilft, die Milchproduktion optimal zu regulieren. Durch die intensive
Stimulation passt sich Ihre Milchmenge nach 2 bis 3 Tagen der erhöhten Nachfrage an. Wachstumsschübe sind manchmal anstrengende Zeiten. Versuchen Sie, sich in dieser Zeit möglichst von allen anderen Aufgaben zu entlasten und ruhen Sie sich zusammen mit Ihrem Baby aus.

 

Entwicklungssprünge in Wochen aus dem Buch/App „Oje, ich wachse“:

Entwicklungssprünge in den ersten Lebensmonaten (© „Oje, ich wachse“)

Folgende Zeichen verunsichern Mütter oft:

– Ihr Baby will öfters an die Brust als sonst
– Abends möchte das Baby am Liebsten nur noch an der Brust sein
– Beim Abpumpen kommt keine oder nur wenig Milch
– Die Brust fühlt sich leer und weich an
– Ihr Baby schreit die Brust an, trinkt unruhig
– Sie spüren den Milchspendereflex nicht mehr, oder weniger stark

Dies alles können Anzeichen für einen Entwicklungssprung sein. Es bedeutet nicht automatisch, dass Sie zu wenig Milch haben.

Nur rund 1-2% aller Mütter haben wirklich zu wenig Muttermilch. Meistens aus medizinischen Gründen, weil sie z.B. zu wenig Drüsengewebe haben.
Ihre Milch ist immer perfekt auf Ihr Baby abgestimmt und wird nicht auf einmal wässriger oder enthält weniger Nährstoffe. Auch wenn Sie krank sind, können Sie ohne Probleme weiterstillen. Legen Sie an, wenn Ihr Baby erste Hungerzeichen (siehe Tabelle weiter unten) zeigt.

 

Weiche und leere Brüste

Weiche, entspannte Brüste sind kein Zeichen für zu wenig Milch. Die meiste Milch wird nämlich erst während des Stillens gebildet. Am Anfang sind die Brüste durch das aufgeschwollene Drüsengewebe (umgangssprachlich Milcheinschuss) sehr prall und fühlen sich fest an. Das legt sich allerdings nach wenigen Tagen wieder. Die Milchmenge pendelt sich ein und die Brüste werden entspannt.

 

Abendliches Dauerstillen: Clusterfeeding

Oftmals möchten Babys abends öfters an die Brust. Das sogenannte Clusterfeeding oder auch Lagerfeuerstillen ist ganz normal. Fast überall auf der Welt sind Babys in den Abendstunden zunehmend unruhig, unabhängig davon, ob sie gestillt werden oder nicht. Stellen Sie sich vor, Sie sind zum 8-Gänge-Menü eingeladen. So möchten es unsere Babys in den ersten Wochen haben. Nach dem langen abendlichen Menü schlafen sie oft einen längeren Zeitraum.In der Fachsprache heisst das viele Stillen „Clusterfeeding“. Die Babys bekommen so abendlich genug Kalorien und reservieren sich mit dem häufigen Trinken gleichzeitig die Milchmenge für den nächsten Tag.

 

Zusammensetzung der Muttermilch

Muttermilch enthält in allen Muttermilchstadien ausreichend Wasser. Es ist vor Beikostalter nicht nötig – und für die Milchbildung auch nicht förderlich – zusätzlich Wasser oder Tee zu geben.

Das Kolostrum ist in kleinen Mengen vorhanden, konzentrierter und sieht zähflüssiger aus. Die Übergangsmilch, wie auch die reife Muttermilch sind anfangs der Stillmahlzeit wässriger und werden dann fettreicher. Je mehr Muttermilchmenge gebildet wird und je grösser die Verzehrmengen des Säuglings sind, desto grösser ist der Wasseranteil. Bei der reifen Muttermilch setzen sich 100 ml aus 88% Wasser und 12% festen Bestandteilen zusammen.

Muttermilch ist immer dem Bedürfnis des Kindes angepasst. Sie enthält alles, was das Baby braucht und versorgt es ausreichend mit Flüssigkeiten und Nährstoffen.  Der Körper der Frau sorgt zuerst für das Baby. Das heisst, wenn es einen Mangel an Nährstoffen gibt, dann spürt das zuerst die Mutter. Ihre Ressourcen werden angegriffen. Frauenmilch kann im Aussehen nicht mit Kuhmilch verglichen werden.

Wenn Sie genau wissen möchten, woraus Muttermilch (im Vergleich zu Formula) besteht, können Sie dies unter folgendem Link (Klick auf das Bild) nachlesen:

 

Tipps, um die Milchmenge zu steigern

– Stillen nach Bedarf und nicht nach der Uhr, Ihr Baby darf so oft trinken, wie es möchte, ohne dass Sie
feste Stillabstände einhalten müssen
– Häufiges Anlegen steigert die Milchmenge, die Nachfrage regelt das Angebot! Vielleicht ist es nötig, im Halbstunden- bis Stundentakt anzulegen, auch wenn das Baby nicht nach der Brust verlangt. Unbedingt an beiden Seiten anlegen.
– Keinen Stress! Sie brauchen Ruhe! Den Haushalt liegen lassen oder von jemand anderem erledigen lassen. Besonders im Wochenbett gehört eine Mama mit ihrem Baby ins Bett oder aufs Sofa. Besuch, nur solange Mama und Baby mögen.
– Viel Körperkontakt! Kuscheln und Hautkontakt mit Ihrem Baby wirkt sich postiv auf die Milchbildung aus! Ein Tragetuch/eine Tragehilfe ist eine gute Investition.
– Gesunde Ernährung! Essen Sie ausgewogen und worauf Sie Lust haben. Trinken Sie zu jeder Stillmahlzeit ein Glas!

 

Hungerzeichen frühzeitig erkennnen

Reagieren Sie auf die ersten frühen Hungerzeichen Ihres Babys, dann lässt es sich ruhiger anlegen. Zugleich erlebt Ihr Baby Sicherheit und Vertrauen, wenn Sie seine Zeichen frühzeitig erkennen.

Hungerzeichen © La Leche Liga

Hungerzeichen (© La Leche Liga)

Zeichen, dass Sie genug Milch haben

Gewichtszunahme

Innerhalb der ersten 3 bis 4 Lebenstage kann Ihr Baby bis zu 7% seines Geburtsgewichtes verlieren. Nach dem Milcheinschuss nimmt Ihr Baby bald wieder zu. Es sollte sein Geburtsgewicht nach spätestens 10 Tagen wieder erreicht haben.
Innerhalb der ersten beiden Monate soll ein voll gestilltes, reif geborenes und gesundes Baby mindestens 140 g pro Woche zunehmen. Dies ist die Mindestzunahme; Richtlinien für die durchschnittlich zu erwartende Zunahme entnehmen Sie bitte untenstehender Tabelle. Diese Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die durchschnittlich zu erwartende Gewichtszunahme eines
gesunden, voll gestillten Kindes:

Durchschnittliche Gewichtszunahme © La Leche Liga

Durchschnittliche Gewichtszunahme (© La Leche Liga)

Zusätzlich zum Gewichtsverlauf, gibt es noch weitere Anzeichen dafür, dass Ihr Baby genug Milch bekommt.

Aussehen

– Rosige Hautfarbe
– Gute Hautspannung
– Aktives und aufmerksames Verhalten

Ausscheidungen

An Urin und Stuhlgang erkennen Sie täglich, ob Ihr Baby genügend Muttermilch getrunken hat:
In den ersten 48 Stunden wird Ihr Baby nur 1 bis 2 nasse Windeln haben. Der Stuhl besteht aus schwarz-grünlichem
Mekonium. Nach dem Milcheinschuss, der am 2. bis 6. Tag nach der Geburt stattfindet, füllt Ihr Kind täglich mindestens 5 bis 6 Wegwerfwindeln (oder 6 bis 8 Stoffwindeln) mit klarem oder blassgelbem Urin*.
Der Stuhl wechselt in dieser Zeit nach und nach zum kräftig gelben, lockeren Muttermilchstuhl. Die Menge des Urins bleibt beim Vollstillkind auch nach den ersten Wochen etwa gleich. In den ersten 4 bis 6 Wochen
hat Ihr Kind recht häufig Stuhlgang, ca. 3 bis 5 Mal pro Tag. Danach besteht eine große Bandbreite: alles –  von 3 Mal täglich bis 1 Mal in 14 Tagen –  ist normal.

*Die Urinmenge in einer nassen Wegwerfwindel entspricht etwa der Flüssigkeitsmenge von 6 EL Wasser.

Quelle: La Leche Liga

 

 

Was tun, wenn Sie das Gefühl haben, zu wenig Milch zu produzieren?

Wenn Sie beim Beobachten von Gewichtszunahme, Aussehen oder Ausscheidungen den Eindruck haben, dass Ihr Baby nicht genügend Muttermilch trinkt, dann kontaktieren Sie eine Stillberaterin.

 

Hier finden Sie eine Stillberaterin:

La Leche League International

Deutschland: La Leche Liga Deutschland
Schweiz: www.stillen.ch / La Leche Liga Schweiz
Österreich: La Leche Liga Österreich


Stillgruppen-Treffen:

In Stillgruppen können Schwangere, Mütter mit ihren Kindern und natürlich auch Väter über Themen rund um’s Stillen reden, die ihnen wichtig sind. Sie erhalten gesicherte Informationen von der Beraterin und erleben, dass sie mit ihren Sorgen und Nöten nicht allein da stehen. Von erfahrenen Müttern erhalten sie Anregungen, die auch ihren Alltag erleichtern.
Stillgruppentreffen in Deutschland
Stillgruppentreffen in Österreich
Stillgruppentreffen in der Schweiz

Quellen:
www.stillen.ch
www.lalecheliga.ch
http://www.stillen-institut.com/asp_service/upload/content/muttermilch_web.pdf
Buch/App „Oje, ich wachse“

 

Beitragsbild: Fotolia

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