Keuchhusten: Fakten und Tipps für Eltern

Es gibt keinen Grund, den Keuchhusten (Pertussis) schön zu reden. Keuchhusten ist quälend, vorallem für ganz kleine Babys. Erreger des Keuchhustens ist Bordetella pertussis, ein Bakterium, das ausschliesslich den Menschen befällt und ausserhalb des Körpers schnell abstirbt. Es dringt nicht in den  Blutkreislauf ein, sondern siedelt sich auf der Bronchialschleimhaut an und sondert dort Giftstoffe ab, die das Gewebe schädigen und seine Abwehrkraft stören.

Rund die Hälfte der Babys unter 12 Monaten, die an Keuchhusten erkranken, müssen im Krankenhaus betreut werden. Tödliche Keuchhustenverläufe sind in Deutschland sehr selten. Sie betreffen vorwiegend Säuglinge in den ersten 3 Lebensmonaten und alte Menschen mit schweren Vorerkankungen.
Wie das Centers for Disease Control and Prevention (CDC; deutsch Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention) in den USA bestätigt, hat eine Person, welche an Keuchhusten erkankt ist, eine lange natürliche Immunität gegen den Erreger – bis zu 20 Jahren.
Über 85% der Krankheitskomplikationen betreffen Säuglinge in den ersten 3 Lebensmonaten. Das Immunsystem von kleinen Babys reagiert nicht sehr gut auf die Impfung in diesem jungen Alter.

Die Routineimpfung für Keuchhusten findet in Deutschland mit 2, 3 und 4 Monaten, in Österreich mit 2, 4 und 11 Monaten und in der Schweiz mit 2, 4 und 6 Monaten statt.
Auch wenn man Keuchhusten relativ früh zu impfen beginnt, wirkt der Impfstoff nicht sofort. Es braucht 2 oder 3 Dosen des Keuchhustenimpfstoffes um effektiv vor der Erkrankung zu schützen. Die Effektivität der Impfung wird vielfach überschätzt. Die Schutzrate im ersten Jahr nach der Grundimmunisierung liegt nur bei 56-64 %. Zusätzliche 20% sind zwar zunächst vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt, können aber einen leichten Keuchhusten durchmachen (WHO 2009). Frühgeborene sprechen noch schlechter auf die Impfung an (Baxter 2010).
Die Wirkung der Impfung ist nicht nur unzuverlässig, sondern auch flüchtig. Bereits im 2. Jahr nach der Impfung steigt die Empfänglichkeit  für Keuchhusten wieder an und spätestens mit 6 Jahren ist nicht mehr mit einem signifikanten Schutz zu rechnen (Lugauer 1999, Esposito 2001, Gustafsson 2006). Im Alter von 2 bis 7 Jahren beträgt die Schutzquote nach einer Analyse von Krankheitsepidemien in den USA nur 41% (Witt 2012). Nicht selten bricht Keuchhusten in Kindergärten aus. Geimpfte und Ungeimpfte erkranken gleichermassen, ohne deutliche Unterschiede im Krankheitsverlauf.

In einigen Ländern wird die Impfung gegen Keuchhusten in der Schwangerschaft zwischen der 28. und 32. Woche empfohlen. Es soll das Baby so direkt ab Geburt schützen. Laut drugs.com: „Es gibt keine kontrollierten Daten während der Schwangerschaft. Die Impfung während der Schwangerschaft ist daher nur empfehlenswert, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt. Unglücklicherweise können auch geimpfte Personen unwissend den Pertussis Erreger verbreiten.

Keuchhusten Symptome

Die Inkubationszeit von Keuchhusten dauert zwischen 6-20 Tagen, meistens dauert es etwa 14 Tage.

  • Laufende Nase
  • Leichter Husten
  • Leichtes Fieber (nicht zwingend)
  • Atemaussetzer (Apnoe) bei Kindern
Schreitet der Keuchhusten fort, sind folgende typischen Keuchhusten Symptome zu erkennen
  • der typische keuchende Husten
  • Erbrechen
  • Erschöpfung nach Hustenanfällen
Der Keuchhusten kann 10 Wochen oder länger dauern (Keuchhusten ist auch bekannt als der 100-Tage-Husten).

 

Hier sind 4 Dinge, die Sie als Schwangere oder frischgebackene Eltern unbedingt wissen sollten:

 

#1: Stillen

Babys unter 6 Monaten sind sehr anfällig für Keuchhusten. In Deutschland werden mit 4 Monaten nur noch rund 34% der Babys gestillt. Die meisten Babys erhalten – zumindest Teilzeit – Muttermilchersatz. Gesundheitsorganisationen überall auf der Welt empfehlen die ersten 6 Monate ausschliessliches Stillen (anschliessend neben Beikost weiterstillen bis 2 Jahre oder mehr). In Deutschland erreichen nur rund 22% der Babys dieses Ziel. In der Schweiz sind es nur rund 14%, in Österreich sogar nur 10%.
Frauenmilch verhindert Keuchhusten nicht und schwächt die Dauer auch nicht ab. Durch das Stillen hat Ihr Baby aber ein stärkeres Immunsystem und kann so die Erkrankung besser bekämpfen. Die Frauenmilch ist voll mit Antikörpern. Bereits ein Teelöffel Frauenmilch enthält rund 3’000’000 krankheitserregerbekämpfende Zellen. Jeder Tropfen zählt. Lesen Sie mehr über die Sättigungseigenschaften der wertvollen Muttermilch und deren Zusammensetzung.

 

#2: Natürliche Geburt

In Deutschland wird rund jedes 3. Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Wobei die WHO eigentlich eine Kaiserschnittrate von ca. 10-15 % empfiehlt.
Aber wieso ist eine natürliche Geburt  so wichtig? Ein Baby, das vaginal geboren wird, kommt in Kontakt mit der Vaginalflora der Mutter, welche sehr wichtig für das Immunsystem und die Abwehrkräfte ist.

 

#3: Die Ernährung – während und nach der Schwangerschaft

Was Sie essen, beeinflusst Ihre Darmbakterien und Ihre Frauenmilch. Forschungen haben ergeben, dass die Busenmilch von übergewichtigen Müttern unterschiedliche und weniger vielfältige Bakterienbesiedlung aufweist, verglichen mit normalgewichtigen Müttern. Ihr Baby erhält so viel mehr, als nur Nährstoffe in der Frauenmilch. Ihr Baby erhält wertvolle Präbiotika und Probiotika, welche für das Immunsystem sehr wichtig sind. Je mehr vorteilhafte Bakterien sich in Ihrem Darm befinden, desto mehr können Sie davon durch Ihre Frauenmilch an Ihr Baby weitergeben (Probiotika).
Um das Wachstum dieser vorteilhaften, gesunden Bakterien zu fördern, ist es wichtig, dass Ihr Ernährungsplan viel grünes Blattgemüse und frisches Gemüse und Früchte in verschiedenen Farben, beinhaltet.
Meiden Sie verarbeiteten Zucker (z.B. zuckerhaltige Getränke und Säfte) und verarbeitete Körner (z.B. Weissbrot). Beide übersäuern den Körper und machen krank. Das hat Auswirkungen auf Ihr Immunsystem, bringt Ihre Hormone durcheinander und beeinflusst so Ihr ganzes Wohlbefinden.

Natürlich sind diese 3 Tipps nicht Garantie dafür, dass Ihr Kind nicht an Keuchhusten erkranken kann. Ein möglichst gutes Immunsystem ist aber auf jeden Fall vorteilhafter, als eines, dass nicht so gut arbeitet.

#4: Wochenbett

Die Zeit nach der Geburt ist sehr wichtig und Sie werden diese intensive Zeit nie wieder zurück bekommen. Es ist eine kritische Zeit für den Aufbau der Bindung zu Ihrem Baby. Sie werden in dieser Zeit  lernen, was es  heisst, Eltern zu sein. Idealerweise können Sie stillen. Privatsphäre und Ruhe ist sehr wichtig in dieser Zeit.
Dass jedermann aus Ihrem Bekanntenkreis geimpft ist, ist leider nicht immer der effektivste Schutz für Ihr Baby.
Ihr Besuch soll Ihre Hygienevorstellungen (Hände waschen)  berücksichtigen und Zuhause bleiben, wenn sie leichten Husten haben oder erkältet sind. Vermeiden Sie das Herumreichen Ihres Babys. Tragen Sie Ihr Baby im Tragetuch, damit es nicht von jedem angefasst oder gestreichelt wird.
Vielleicht ziehen Sie sogar eine Hausgeburt in Betracht, so können Sie Ihr Baby weit weg von den kranken Patienten im Krankenhaus zur Welt bringen. Eine Hausgeburt ist eine sichere Option für Frauen ohne Komplikationen während der Schwangerschaft. Eine Studie von 150’000 Geburten aus den Niederlanden wurde im British Medical Journal veröffentlicht. Sie haben herausgefunden, dass die Geburten mit Hebammen besser verliefen. Es gibt weitere Studien, die zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen sind.

 

Impfen oder nicht? Ein umstrittenes Thema!

Diskussionen zum Thema Impfen arten nicht selten aus. Bedenken Sie immer, Keuchhusten ist zyklischer Natur. Alle 3 bis 4 Jahre gibt es einen Ausbruch von Keuchhusten. Auch in Ländern mit hohen Impfraten sind Ausbrüche üblich. Es ist die Natur der Krankheit.
In den USA beobachtet man jedoch in letzter Zeit wieder eine Zunahme der Keuchhusten-Sterbefälle, trotz hoher Impfrate von 94% (WHO). Ursächlich sind vermutlich genetisch veränderte Keuchhustenerreger. Auch sieht man hier eine Verschiebung der Erkrankungen hin zum Jugendlichen und Erwachsenen. Die Anzahl der Keuchhustenfälle bei Erwachsenen stieg laut dem CDC zwischen 1990 und 2001 um 400% an. Während 1980 nur 1730 Fälle gemeldet wurden, waren es 2002 bereits 8296 Erkrankte (MMWR Weekly January 10, 2003 / 52(01);1-4 ). Ursache hierfür ist die relativ schnell abnehmende Immunität nach der Impfung im Gegensatz zu einer Immunität nach einer  natürlich durchgemachten Krankheit.
Die Wissenschaft versucht, einen möglichst effektiven und sicheren Impfstoff gegen Keuchhusten zu finden, um Todesfälle zu vermindern. Es gibt aber noch immer Hürden, welche zu bewältigen sind.
Während die Wissenschaft nach besseren Lösungen sucht, können wir unseren Fokus bestmöglich auf unsere eigene Gesundheit legen.

 

Egal, ob wir uns entscheiden zu impfen oder nicht, ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu leben. Für sich selber und natürlich auch für die Kinder. Nutzen Sie Ihr Wochenbett, um sich und Ihr Baby in den ersten Wochen vor Erregern so gut wie möglich zu schützen. Versuchen Sie,  möglichst eine gesunde, natürliche Geburt anzustreben und stillen Sie Ihr Baby, solange es mag. So ermöglichen Sie Ihrem Baby, das bestmögliche Immunsystem aufzubauen.

 

Quellen und Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stillen
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserschnitt
Centers for Disease Control and Prevention (CDC)

 

Beitragsbild: Fotolia

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4 comments

  1. Beatrice says:

    Ein guter Beitrag. Alles gut zusammengefasst. Ich bin da nicht so gut drin. Beschäftigt mich gerade, weil wir mit Keuchhusten zu tun haben. Ich hab´s direkt allen mitgeteilt, die zu uns Kontakt haben. Ich selbst wusste bis vor kurzem eigentlich nur, dass es eine Kinderkrankheit ist. Mir war nichtmal bekannt, dass man dagegen impfen kann. Als Kind aus den 70ern bin ich zwar gegen alles möglich geimpft, aber nicht gegen Keuchhusten. Somit habe ich da bei meinen Kindern auch garnicht nach gefragt. Die sind nicht gegen Keuchhusten geimpft, haben es allerdings von geimpften Personen bekommen.
    Der Verlauf ist einigermaßen milde bei uns. Ich hoffe wir haben nicht unwissend zu viele andere Leute angesteckt.
    Unter Umständen würde ich deinen Beitrag mal auf meinem Blog einbinden wollen. Dürfte ich das?
    Lg

  2. Stephanie Betka says:

    Hallöle!
    Ein toller Beitrag! Ich selbst hatte während der letzten sehr qualvollen Kaiserschnittentbindung Keuchhusten für den ich nur belächelt wurde! Oft erbrach ich mich und dennoch wurde die Geburt eingeleitet! Doch durch die verminderte Sauerstoffaufnahme rasten plötzlich die Herztöne in den Keller und ein Kaiserschnitt wurde vorgenommen! Danach ging es mir so schlecht wie nie zuvor in meinem Leben! Husten, Narbe platze auf, Lungenentzündung. … eine Bindung zu meinem Kind konnte ich kaum aufnehmen! Die Ärzte nahmen mich absolut nicht ernst, trotz Fieber! 3 verschiedene Antibiotika musste ich nehmen bis ich mit Schmerzen, Fieber und dem quälenden Husten entlassen wurde! Und das alles TROTZ Impfung!!!
    Vlg

  3. Lou says:

    Vielen Dank für die Zusammenfassung 😉
    Meine Tochter ist noch ungeimpft und nun mit 8 Monaten an Keuchhusten erkrankt… Heute kam Ergebnis vom Abstrich. Hatten den machen lassen weil ein Kind aus unsrer Familie, mit dem wir an Ostern zusammen waren erkrankt ist. Unsre Tochter hat bis auf nächtlichen Husten kaum Symptome … Tagsüber ist sie topfit !! Nun bin ich am zweifeln/überlegen… Trotzdem Antibiotika gegen die Ansteckung geben oder wirklich die nächsten 4 Wochen isoliert leben? Das wäre nicht nur für mich schlimm… Sie liebt es mit andern Kindern zu spielen zb im babyschwimmen und Familienkaffee oder einfach mit unseren kinderreichen Freunden ….

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