Die freie Menstruation – Es geht auch ohne Tampons, Binden & Co.

Utensilien für die Monatshygiene gibt es bereits schon seit langer Zeit, aber natürlich nicht in der Form, wie wir sie heute kennen. Doch schon im alten Ägypten und Rom gab es entsprechende Hilfsmittel.

Was die wenigstens allerdings heute noch kennen, ist die Praxis des freien Ablassens des Menstruationsblutes. Diese Praktik war lange sehr verbreitet und galt als gesundheitsförderlich. Vor allem im Mittelalter und früher bei der Feldarbeit war es absolut üblich, weder Unterwäsche zu tragen, noch das Menstruationsblut aufzufangen. Erst mit zunehmender Industrialisierung und der Verbreitung der Wegwerftampons in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, verschwand diese Praktik mehr und mehr. In vielen ursprünglicheren Völkern wird es aber bis heute praktiziert und die Menstruation wird als Form der Reinigung des Körpers begriffen und so auch zelebriert.

 

Weniger Schmerzen durch freie Menstruation

Natürlich ist es eine immense Erleichterung, dass es heutzutage auch praktische Alternativen gibt. Den wenigsten Frauen ist allerdings bewusst, was konventionelle Monatshygiene bedeutet: Die meisten konventionellen Tampons und Binden enthalten Formaldehyd, Dioxine und Pestizide. Diese können durch den unmittelbaren Kontakt über die Schleimhäute leicht in den Körper gelangen. Und außerdem: Schmerzen verursachen! Ein weiterer Faktor, der Schmerzen verursacht ist, dass bei der Verwendung von Tampons und auch konventionellen Binden, nicht nur das Menstruationsblut aufgesaugt wird, sondern den Schleimhäuten auch ein Großteil der natürlichen Befeuchtung entzogen wird. Die Schleimhäute werden sozusagen trocken gelegt, was ein unnatürlicher Zustand ist, der ebenfalls Schmerzen herbeiführen oder begünstigen kann. Deswegen bessert sich die Schmerzsituation auch schon häufig bei Frauen, die auf Stoffbinden oder Menstruationstassen umsteigen. Die übermäßige Austrocknung der Schleimhäute findet dabei ebenfalls nicht mehr statt. Tampons verurschen zudem eine Stauung des Blutes, ein freies Abfließen wird verhindert. Auch das bedeutet oft Schmerzen.

Eine besonders effektive Methode diese Schmerzen zu reduzieren, Blutungsdauer und – intensität zu regulieren, sowie ein besseres Körpergefühl und einen gestärkten Beckenboden zu erhalten, ist die sogenannte freie Menstruation. Was erst einmal sehr öko, spirituell oder wenig alltagstauglich klingt, ist tatsächlich aber eine wirklich tolle Möglichkeit, einen entspannteren Umgang mit dem eigenen Körper zu finden.

 

So funktioniert freies Menstruieren

Und so funktioniert es: Im Grunde ist es einfach, es erfordert nur etwas Achtsamkeit für seinen eigenen Körper – was ohnehin immer eine gute Sache ist! Den eigenen Körper und dessen Prozesse und Vorgänge zu kennen, ist für das eigene Wohlbefinden eine enorme Bereicherung. Auch dazu trägt der „Selbstversuch freie Menstruation“ ein gutes Stück bei. Viele Frauen, die bereits Kinder haben, stellen fest, dass der Wehenschmerz dem starkem Menstruationsschmerz gar nicht unähnlich ist. Viele Frauen spüren ein Ziehen und Drücken im Unterleib und oft auch im unteren Rückenbereich während ihrer Tage, wie auch unter der Geburt. Dass sich diese beiden Schmerzerfahrungen ähnlich anfühlen, ist dabei ganz logisch: Bei beiden Vorgängen wird Druck auf den Muttermund ausgeübt. In dem einen Fall durch das Baby, das nach draußen drängt, im anderen Fall durch angestautes Menstruationsblut, das dann irgendwann nach draußen abläuft. Das tut es aber nicht stetig, sondern erst wenn sich eine kleine Menge angesammelt hat. Erst dann dringt das angestaute Blut durch den Muttermund nach Außen und sammelt sich oft dort noch einmal, bevor es anfängt abzufließen. Das Ablaufen ist also der entscheidende Vorgang, der beim freien Menstruieren abgepasst bzw. später dann willentlich unterstützt werden kann.

Zunächst ist es hilfreich, einfach regelmäßig, etwa alle Stunde, auf Toilette zu gehen und zu versuchen, genau in seinen Unterleib zu spüren. Das geht ganz gut, indem man versucht, dieselbe An- und Entspannung herbeizuführen, die es auch für das Urinieren braucht. Wer seinen Beckenboden ganz gut kennt und willentlich Anspannen und Entspannen kann, kann sich dies hierbei sehr gut zu Nutzen machen. Wer damit noch nicht viel Kontakt hatte, kann hier beginnen zu üben. Manche versuchen einfach bewusst locker zu lassen, anderen schieben oder pressen etwas, um so zu ermöglichen, dass das Blut über den Muttermund nach draußen abfließen kann. Das bedarf allerdings einiger Minuten Ruhe, um auch sicherzustellen, dass der vorhandene Stau gänzlich abgeflossen ist. Anschließend hat man normalerweise einige Zeit Ruhe. Ist man noch ungeübt, geht man lieber sofort beim ersten Verdacht, es könnte wieder soweit sein, zur Toilette. Wirklich sehr viele Frauen haben ein intuitives Gespür dafür, wann der nächste „Schwall“ ansteht. Viele Frauen berichten von diesem Gefühl bereits, ohne dass sie freie Meinstruation praktizieren. Manche spüren das langsame Abfließen, andere Fühlen eine Art Druck oder auch einen intensiven Krampf. Immer dann ist es spätestens so weit, zur Toilette zu gehen. Wenn man bereits etwas Übung hat, können es viele auch wissentlich einige Zeit zurück halten und so den Zeitpunkt des Ablassen selber bestimmen. Das funktioniert vor allem deshalb, weil unmittelbar hinter der Muttermundöffnung oft eine Art kleiner Hohlraum besteht, indem sich das Blut noch eine Weile sammelt. In Kombination mit einem guten Gespür für den Beckenboden ist es dann oft möglich, das Abfließen noch eine Weile zu kontrollieren, wenn es nötig sein sollte. Grundsätzlich hat frau den besten Effekt, gerade in puncto Schmerzen, wenn das Ablassen erfolgt, wann immer es nötig ist und keine Stauung entsteht.

Durch das regelmäßige und wissentliche Ablassen entsteht meist kein größerer Stau mehr, der dann oft die schmerzhaften Unterleibskrämpfe herbeiführt. Zur Erinnerung: Der Schmerz entsteht oft durch den Druck auf den Muttermund durch den großen Blutstau oder das Ansammeln des Blutes unmittelbar nach Austritt aus dem Muttermund. Lassen wir den Stau einfach regelmäßig ab, entsteht auch kein Druck, der dann zu Verkrampfungen und Schmerzen führt.

Zudem wird der Schmerz, der durch einen Fremdkörper entstehen kann, wie es ein relativer starrer Tampon ist, vermieden. Und auch die erwähnte übermäßige Austrocknung passiert so nicht.

 

Übung macht den Meister

Natürlich benötigt es etwas Übung und es gibt auch durchaus Tage oder Zyklen, da klappt es weniger gut, weil einfach viel zu tun ist. Aber trotz Kindern und Beruf ist es machbar, solange eine Toilette gut erreichbar ist. Nach einigen Zyklen haben sich die meisten Frauen auch so gut eingependelt, dass die Blutung deutlich schwächer und auch kürzer ausfällt und es hat sich ein gutes Gefühl für den notwenigen Ablasszeitpunkt eingestellt. Ab da ist meist auch eine gewisse Kontrolle gut möglich, sodass man nicht alle halbe Stunde zur Toilette eilen muss. Außerdem kann frau dann auch gut beginnen, gezielt abzulassen, bevor man eine längere Toiletten-freie Zeit einbaut. Außerdem bedeutet freie Menstruation keinesfalls, dass strikt auf „Hilfsmittel“ verzichtet werden muss. Viele praktizieren es Zuhause und zur Nacht und sichern sich unterwegs mit Stoffbinden, Menstruationstassen oder Naturschwämmchen ab. Es soll ja keine Zwang sein, sondern Erleichterung schaffen!

 

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Beitragsbild: Pixabay.com

3 comments

  1. Caroline Oblasser says:

    Liebe Scarlett,

    danke für deinen Artikel zur freien Menstruation! Seit ich „Regelschmerz ade!“ geschrieben habe, gab es schon ganz tolle Rückmeldungen zum Buch und zur Methode. Sie ist einfach, effizient und günstig – in jeder Hinsicht.Du hast das Buch diesbezüglich sehr gut zusammengefasst.

    Es gibt übrigens ein ganz neues Büchlein von mir zur „freien Menstruation“: Es heißt „Die freie Mens – Leas COMIC-TAGEBUCH für eine schmerzfreie Regel ohne Binden, Tampons und Co“ und ist vielleicht für dich und deine Leserinnen interessant. Geeignet ist es bereits für Mädchen ab 10 Jahre, die sich in der (Vor-)pubertät befinden und neugierig sind, was später mal so sein wird.

    Viele Grüße von
    Caroline

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