9 raffinierte Wege, wie die Säuglingsmilchnahrunghersteller versuchen, Kunden zu gewinnen

Bitte unbedingt beachten, dass dieser Artikel in keinster Weise ein Angriff an nicht stillende Mütter sein soll. Dieser Artikel soll lediglich zeigen, welche Wege die Milchnahrungsindustrie nutzt, um Kunden zu gewinnen – und diese bemerken es noch nicht einmal. Sie werden diese Tatsachen wohl kaum in einem Magazin, oder auf einer Elternhomepage finden, da diese mit der Verlinkung, oder dem Drucken von Werbung von Säuglingsnahrung, sehr viel Geld verdienen. Es werden mehrere Tausend Euros in die Werbung für Säuglingsmilchnahrung investiert. Es ist ein wahnsinnig grosses Geschäft. Die Firmen wollen, dass man von ihren Marken erfährt, sobald man überhaupt mit dem Gedanken spielt, schwanger zu werden.

 

Hier sind 9 raffinierte Wege, wie Säuglingsnahrungshersteller versuchen, Kunden zu gewinnen

#1: Sie sind hinter Ihnen her, sobald Sie einen Eisprung haben

Genau – bevor Sie überhaupt schwanger sind, oder überhaupt schon gestillt haben, sind sie hinter Ihnen her.
Säuglingsmilchhersteller versuchen, werdende Mütter zu beeinflussen, bevor das Baby überhaupt gezeugt wurde. Sie kaufen Top-Platzierungen in den Suchmaschinen. Wenn Sie die Liste unten anschauen sehen Sie, mit welchen Suchbegriffen grosse Säuglingsmilchhersteller versuchen, werdende Mütter auf Ihre Homepage zu locken.

Es wird sehr viel Geld in diese „Keywords“ investiert in der Hoffnung, die meisten Suchanfragen zu erhalten und somit andere Firmen in den Schatten zu stellen. Diese „Keywords“ bedeuten, dass die Seiten angezeigt werden, sobald eine Frau nach den Suchbegriffen sucht. Sie suchen nicht nur Kunden, welche die Nahrung gerade benötigen, sondern wollen vorallem die potentiellen künftigen Kunden auf ihre Seiten locken.

Säuglingsmilchhersteller Keywords

 

Sie nutzen ebenfalls „Keywords“ wie ‚Still-Tipps‘, damit stillende Mütter eventuell doch ihr Milchpulverprodukt ausprobieren. Sie wollen natürlich erreichen, dass die werdende Mutter sich später an ihre Marke erinnert. Je früher schwangere Mütter mit Markennamen in Berührung kommen und diese kennenlernen, desto besser ist das für das künftige Geschäft.

Eine Studie [1] hat gezeigt, dass Werbung für Säuglingsnahrung (vorallem vor der Geburt), das frühe Abstillen beeinflusst, speziell in den ersten 2 Lebenswochen eines Babys, weil in dieser Zeit die meisten Mütter mit Stillschwierigkeiten zu kämpfen haben. Fazit der Studie war, dass Werbung für Säuglingsmilchnahrung vorallem vor der Geburt verboten werden sollte. Das Problem ist aber, dass die Hersteller so raffiniert sind, dass Sie auf Ihren Webseiten „hilfreiche“ Informationen veröffentlichen, welche überhaupt nichts mit dem Produkt zu tun hat – aber sie kriegen Mütter so auf Ihre Homepage. Einige bieten sogar Newsletter an, wenn man laufend über Themen rund um Schwangerschaft und Kind informiert werden will – natürlich clever mit Werbung bestückt. Die Hersteller wissen so, in welcher Schwangerschafstwoche Sie sich befinden und können Sie direkt mit passenden Tipps und Informationen anpeilen.

#2: Aggressive Werbung für Kleinkindnahrung

Weil die Säuglingsnahrunghersteller Vereinbarungen mit der WHO getroffen haben, dürfen diese keine Werbung für Milchpulver für Babys unter 6 Monaten zeigen. Das bedeutet, das einzige Geld, dass sie für Werbung investieren können ist für Kleinkindnahrung. Muttermilchersatzhersteller geben also ihr Bestes, damit Logo, Desgin und die Verpackung von Milchnahrung für ältere Kinder, jener Verpackung für Nahrung ab Geburt so ähnlich wie möglich ist.

Wenn es also ausschaut, als würden die Hersteller nur für Säuglingsmilchnahrung ab 6 Monaten werben, wollen sie eigentlich das Publikum mit Babys ab Geburt erreichen. Sie nutzen deshalb in der Werbung oft jüngere Babys.

Eine Studie [2] hat sogar gezeigt, dass die Kosumenten die Produkte nicht voneinander unterscheiden konnten und in einer weiteren Studie [3] in Australien, haben sogar 66.8% angegeben, dass sie davon ausgegangen sind, dass es sich in der gezeigten Werbung um Säuglingsnahrung ab Geburt gehandelt hat und nicht um Kleinkindmilchnahrung.

#3: Das Maximum bewerben

An Messen sind die Milchnahrungshersteller immer vertreten und werben mit grossen Werbetafeln für Ihre Milchnahrung und offerieren kostenlose Proben. In Eltern- und Schwangerschaftsmagazinen findet sich grossflächige Werbung. Säuglingsmilchhersteller finden immer einen Weg, den Konsumenten irgendwie zu erreichen. Es scheint gar nie in Frage gestellt zu werden, ‚ob‘ man überhaupt Muttermilchersatz nutzen möchte oder sollte, sondern nur, welche Marke man wählen muss.

Werbung für Säuglingsmilch ist überall. Es scheint, als wäre die Wahl von Säuglingsmilch etwas alltägliches, wie zum Beispiel die Wahl eines Kinderwagens oder der Schwangerschaftskleidung. Einige Säuglingsmilchhersteller produzieren in der Zwischenzeit sogar schon Vitamine für die werdende oder stillende Mutter.

Was wird es wohl in Zukunft geben? Eisprung-Tests, welche zusammen mit dem positiven Ergebnis folgende Meldung präsentieren: „Hey super – Sie haben heute Ihren Eisprung! Nicht vergessen, heute Abend unbedingt Sex haben! ..ah und… Sollen wir Ihnen eine Musterpackung von unserem Gold HA Milchpulver zusenden (selbstverständlich das ab 6 Monaten)?

#4: Produkt als das Beste bewerben

Schauen Sie sich einmal DIESE Werbung an. Fällt Ihnen etwas auf? Die Firma wirbt mit 30 Jahren Forschung, es MUSS also gut sein. Zudem wird einem vermittelt, wenn man sein Kind genau mit diesem Produkt füttert, wird es wohl sehr intelligent und erfolgreich sein. Eine typische Methode von Marketing. Kauft man also dieses Produkt, ist es bestimmt die richtige Entscheidung. Es wird ja von Experten empfohlen und wenn sich sogar Experten für dieses Produkt entscheiden, muss es bestimmt gut sein.
Säuglignsnahrungshersteller möchten zudem, dass die Werbung witzig ist und einem ein gutes Gefühl vermittelt (vorallem bei den postnatalen Hormonschüben)… Das gute Gefühl und die positive Wirkung des Produktes auf IHR Baby lenkt davon ab, dass einige der gezeigten Babys wahrscheinlich noch keine 6 Monate alt sind.

 

#5: Professionelle Konferenzen sponsern

Ein weiterer Weg, welche Säuglingsnahrungshersteller nutzen, um irgendwie in Ihre Küche zu gelangen: Sie sponsern Events, an welchen Gesundheitsfachleute teilnehmen. So können sie Beziehungen zu Leuten aufbauen, die Ihre Produkte bewerben.

Jemand, der gut Beziehungen aufbauen kann, gute kommunikative Fähigkeiten besitzt und das menschliche Verhalten ein wenig versteht, wird am Besten verkaufen können… Und das müssen überhaupt nicht die besten Produkte sein.

#6: Kostenlose Beratung bieten

Wir haben es weiter oben bereits erwähnt. Milchnahrungshersteller nutzen die kostenlose Beratung und bieten Informationen zu häufigen Problemen bei der Geburt oder bei Fragen rund um’s Baby. Sie beantworten all diese Fragen zum Beispiel per E-Mail oder Telefon. Einige Seiten bieten sogar direkte Chats mit Experten auf ihren Homepages an. Diese kostenlose Beratung beantwortet Ihnen alle Fragen, welche Sie sich als Eltern stellen. Also eigentlich sind die Herstellerwebseiten so gestaltet, dass man immer sofort Expertenrat bekommt.
Sie bauen mit Ihnen also eine Beziehung auf und Sie vertrauen ihnen. Wenn Sie also eine Frage zum Stillen haben und bereits gute Erfahrung mit den Informationen einer Homepage gemacht haben, wo schauen Sie wohl als Erstes nach? Genau. Das war doch dieses nette Beratungsteam, das Ihnen jederzeit weiterhilft.

Nur, das Geschäft dieser Seite ist eigentlich nicht Stillen, sondern Säuglingsmilchnahrung. Und mit dem Verkauf ihrer Produkte werden diese Berater und Experten, sowie die Rechnungen von Werbungen im Wert von mehreren Millionen Euros bezahlt. Wenn Sie tatsächlich das Stillen unterstützen würden, würden die Hersteller keinen Cent verdienen – sie hätten ein non-profit Business. So einfach ist das. Sie sind keine Stillexperten. Sie sind Experten im Verkauf von Babynahrung.

#7: Verkaufspersonal schulen

Die Säuglingsmilchhersteller schulen Personal. Zum Beispiel in Apotheken oder Ärzte. Sie präsentieren Ihre Produkte immer als das Beste. Oft arbeiten junge Leute in den Verkaufsteams und es wird ihnen gesagt, dass sie hier ein top Produkt verkaufen. Können Sie sich vorstellen, was das für Auswirkungen hat? Wenn Verkausfsmitarbeiter von einem Produkt überzeugt sind, verkaufen sie es besser. Wenn das Produkt also so wichtig  für die Hirnentwicklung Ihres Babys ist, warum sollten Sie nicht dieses Produkt wählen?

#8: Eltern mit Schlafmangel ausnutzen

Einige Hersteller von Säuglinsgmilch nutzen eine wirklich fiese Methode – den Schlafmangel von Eltern. Die Kassen klingeln – die Hersteller haben nämlich eine Lösung für das Schlafproblem gefunden! Säuglingsmilchnahrung scheint Babys beim Durschlafen zu helfen. Zum Beispiel wirbt ein Hersteller mit folgendem Slogan: „Für Babys, die am Morgen grossen Appetit haben und nachts durchschlafen wollen.

Ein netter Gedanke, aber es macht das Risiko von SIDS (Sudden Infant Death Syndrome; plötzlicher Kindstod) lediglich noch grösser, als dass es bei Säuglingsnahrung ohnehin schon ist. Natürlich möchten wir Eltern, welche Muttermilchersatz füttern nicht beängstigen, aber Eltern haben ein Recht zu wissen, wie gefährlich diese „Schlaf-Beeinflussenden“ Säuglingsmilchen sind. Das nächtliche Aufwachen ist nämlich wichtig, um vor dem plötzlichen Kindstod zu schützen. Informiert man sich über SIDS wird schnell klar, dass ein sehr tiefer und langer Schlaf das Risiko von SIDS erhöht. Dr. W. Sears sagt:
„Würde ein Baby dafür ausgelegt sein, die ganze Nacht durchzuschlafen, würden einige seiner Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden. Kleine Babys haben einen kleinen Magen und die Muttermilch wird auf Nachfrage gebildet. Wenn das Baby durch Hunger also nicht schnell aufwachen würde, würde es wohl kaum lange überleben. Wenn etwas die Atmung des Babys behindert, oder es kalt hat und Wärme benötigt, und der Schlaf so tief wäre, um nicht auf sich aufmerksam machen zu können, wäre sein Leben sehr schnell in Gefahr.“
Wie können nun die Hersteller von Säuglingsmilchnahrung behaupten, dass die Gesundheit des Babys an erster Stelle steht, zugleich ihre Produkte aber einen tiefen Schlaf fördern? Logisch, dass Eltern mit Schlafmangel unwissend darauf anspringen. Auch wenn die Hersteller immer wieder sagen, „Stillen ist das Beste“ (sie müssen das sagen), und auf den Homepages fast aller Säuglingsmilchnahrunghersteller beim „Betreten“ der Seite direkt ein Fenster aufgeht, in  dem man dies akzeptiert, ist es dann nicht komisch, dass auf den Seiten keinerlei Links zu LLL (La Leche Liga) oder IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant) zu finden sind? So würde eine stillende Mama nämlich die Unterstützung erhalten, die sie auch wirklich braucht. Alle Milchnahrungshersteller haben ihre eigenen Berater und Experten, welche Ihre Stillfragen beantworten.

#9: Geld und Geschenke für Fachleute

Hebammen, Ärzte und Krankenschwestern, die Werbung für Produkte von Milchnahrungsherstellern machen, werden gut bezahlt. Die Milchnahrungshersteller nutzen das vollständig aus. Und wenn nicht mit Geld, dann mit Geschenken, sogar mit Essen oder Klimaanlagen in armen Ländern. Auf den Philippinen stillen nur etwa 16% aller Frauen. Schauen Sie diese Video-Dokumentation der Unicef, welche genau zeigt, wie stark Milchnahrungsfirmen ihre Produkte – vorallem in armen Ländern – pushen.
Alle Mütter sollten unterstützt werden müssen, egal wie sie ihre Kinder ernähren. Aber ohne die Säuglingsmilchnahrungs-Industrie, welcher es lediglich um Gewinn geht und um nichts anderes. Wir müssen Geld investieren, damit Frauen richtig informiert werden, wenn es um die Ernährung ihrer Kinder geht. Es gibt keine Möglichkeit, wie man  mit Stillen Geld machen kann (auch wenn durch das Stillen Millionen im Gesundheitssystem gespart werden könnten). Das ist der Grund, warum es keine Firma unterstützt. Würden sich die Säuglingsnahrungsfirmen so sehr für das Stillen einsetzen wie sie behaupten, hätten sie wohl kein Problem damit, Still-Organisationen zu unterstützen, mit dem vielen Geld, das sie einnehmen.
Schauen Sie diesen Film – es lohnt sich!

Link zum Video: https://youtu.be/3PBtb-UDhEc

Querverweise und Quellen:
Beitragsbild: Fotolia

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