An die Mama mit dem schwierigen Kind

Liebe Mama mit dem schwierigen Kind.

Ich weiss, Du fühlst Dich verurteilt.

Während alle anderen Kinder lachen, weint Deines.

Während die anderen Kindern spielen, hat Deines einen Trotzanfall.

Während die anderen Kinder händchenhaltend, lachend durch den Park rennen, versteckt sich Deins hinter Dir, umklammert Deine Beine, als würde es ums Leben gehen und bettelt, dass es nach Hause will.

Während die anderen Kinder zuhören, versucht Deines Dich zu schlagen. In der Öffentlichkeit. Schon wieder.

Fremde geben Dir den Rat: „Alles, was Kinder brauchen, sind klare Grenzen.“- „Schaut so aus, als würde da jemand ein wenig Respekt lernen müssen!“

Freunde werfen Dir einen traurigen Blick zu und schauen demonstrativ weg, während Du versuchst, Dein Kind zu beruhigen.

Du fühlst Dich als Versager, weil alles nicht mehr funktioniert, was irgendwann einmal funktioniert hat.

Du fühlst Dich, als würde die ganze Welt mit dem Finger auf Dich zeigen und den Kopf schütteln.

Du hast Angst vor der Zukunft.

Du gehst durchs Leben mit Deinem Kind – Hand in Hand. Du liebst es mehr als alles Andere auf der Welt. Auch wenn es nur ein stiller Wunsch ist, in der kleinsten Ecke von Deinem Herz: Manchmal wünschst Du dir, dass alles nur ein kleines bisschen einfacher wäre.

Aber Du versuchst es weiter. Du gehst wieder in den Park, obwohl Du weisst, wie es enden wird. Du begleitest Dein Kind, Du nimmst es in den Arm. Auch wenn es manchmal hart ist, es ist Dein Kind.

Dein Kind, das du liebst. Dein Kind, das du um nichts in der Welt tauschen würdest. Dein Kind – Für immer. Es ist ein Teil von Dir.

Verschwende keine Zeit, indem du Dir überlegst, was andere Menschen denken. Verschwende keine Zeit, indem Du anderen Kindern zuschaust und Dir denkst, wieso alle anderen Kinder soviel einfacher sind. Verschwende keine Zeit mit: was wäre wenn…

Vielleicht, nur vielleicht, gibt es einen Grund, warum genau DIESES Kind bei Dir ist, und Du weisst irgendwann wieso. Irgendwann, wenn das Kind erwachsen ist und die Trotzanfälle mitten auf der Strasse verblasste Erinnerungen sind.

Bis dahin versuch es immer wieder. Begleite, umarme und liebe Dein Kind – Bedingungslos.

 

Du bist eine wunderbare Mama!

Liebe Grüsse von einer anderen Mama, mit einem schwierigen Kind.

 

Beitragsbild: Pixabay

6 comments

  1. Jana says:

    Puh, Tränchen kullern.
    Danke für diesen Text, es ist als wäre er nur für mich :-)
    So lange hat mein Sohn nur seinen Papa um sich haben wollen, hat anfangs auf meinem Arm gebrüllt als müsse er sterben und mich später oft mit beißen, hauen und festkrallen abgelehnt. Das schmerzt, nicht nur körperlich sondern vorallem seelisch. Doch ich liebe ihn so sehr, wie ich vorher gar nicht ahnte, dass man jemanden so lieben kann. Hab ich was falsch gemacht?! Die Geburt lief nicht gut, Notkaiserschnitt im Krankenhaus statt geplantem Geburtshaus mit Wassergeburt. Totale Erschöpfung und Niedergeschlagenheit, Wochenbettdepression, Stillprobleme. Der Papa kümmert sich hauptsächlich um seinen Sohn. Ob das geprägt hat? Kann ich das aufholen?
    Ich habe trotz allem nie aufgehört, ihn zu halten, für ihn da zu sein, ihm vorzusingen, mit ihm zu kuscheln und zu toben. Ich habe so gut es geht das ganze Haus so eingerichtet, dass er sich frei bewegen kann, ohne ständig „nein“ sagen zu müssen, weil wieder irgendwo nicht ran darf, weil es kaputt gehen könnte oder zu gefährlich ist. Ich schimpfe nicht, ich brülle nicht. Das kleine Gehirn und sein Urvertrauen in die Welt sollen nicht erschüttert werden. Regeln kommen, wenn er sie auch verstehen kann, auch wenn meine Mutter den Kopf schüttelt darüber. Ich meide Situationen, die ihm Angst machen wie Staubsaugen oder große Kaufhäuser, wenn er dabei ist. Das erfordert mehr Kraft als in anderen Famailien und eine gute „Arbeitsteilung“ im Haushalt mit meinem Mann, aber es geht. Ohne meinen Mann wäre ich wohl so manches Mal verloren.

    Jetzt ist mein Sohn 21 Monate und geht seit seinem ersten Geburtstag zur Tagesmutter. Er ist dort der jüngste und lernt von den anderen „nicht hauen – ei machen“. Und seit einigen Wochen umarmt er mich, gibt mir Küsschen und will gehalten werden. Nur von mir. Und da laufen sie wieder, die Tränchen.
    „Regeln“ versteht er so langsam bzw. ein „ich möchte das nicht“ und das zu befolgen. Das Gehirn strukturiert sich um den zweiten Geburtstag anders, ab dem dritten bleiben bewusste Erinnerungen. Dieses Wissen gibt mir Mut weiter zu machen und an dem festzuhaten, was ich für richtig halte. Alles andere wäre nicht ich und unauthentisch. Außerdem weiß ich jetzt mit Sicherheit, dass ich hochsensinbel bin. Schmerzgrenzen jeder Art sind niedriger, positive Gefühle intensiver als bei anderen, die Gefühle anderer Menschen um einen überlagern oft unerkannt die eigenen. Vielleicht hat mein Sohn das geerbt, manches spricht schon jetzt dafür. Um so mehr bleibe ich mir weiterhin selbst treu und übe das vor anderen zu verteidigen.

    Liebe andere Mamis: Nicht aufgeben, weiter lieben und an dem festhalten, was du für richtig hälst. Dein eigenes Gefühl ist hundertprozentig verlässlich, nicht die Rat-Schläge der anderen.

    Jana

  2. silvia thomsen says:

    Danke liebe Jana und danke liebe Mama eines auch schwierigen Kindes, ihr habt mir aus der Seele bzw. Herzen gesprochen. Ich habe zwei Jungs (4,5 Jahren und 20 Monate) mit einem sehr starken Willen und ohne Furcht.
    Mit lieben Grüßen
    Silvia

  3. Anja says:

    Vielen Dank für den Brief. Wie gut diese Worte tun, können sich nur Eltern von „schwierigen“ Kindern vorstellen, aber wir sind auf einem guten Weg 👍

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