Co-Sleeping / Familienbett: 8 Vorteile, wenn Sie das Bett mit Ihrem Kind teilen

Von dem Moment an, wenn Ihr Baby geboren wird, werden Sie immer wieder der folgenden Frage begegnen: „Und, wie schläft es?“ Diese Frage wird begleitet von einer grossen Anzahl Tipps und Schlaf-Bücher-Empfehlungen. Irgendwie scheinen alle Eltern irgendwann mit dem Schlaf-Thema konfrontiert zu werden. Warum? Weil Eltern Schlaf benötigen, und Babys brauchen 24h-Betreuung. Nur, wie können sich  nun alle Schlafbedürfnisse irgendwo in der Mitte treffen?

Babys fühlen sich (natürlicherweise) am wohlsten, wenn Sie jederzeit ihren Hunger stillen können und sie nahe bei Mama sind. Das bedeutet, Babys brauchen ständig Nähe und Geborgenheit, auch in der Nacht.

Mütter, die unter Schlafentzug leiden, leiden auch öfters unter postnatalen (nachgeburtlichen) Depressionen (PND). Wo ist also der Fehler im natürlichen Verhalten unserer Babys? In der westlichen Welt leiden bis zu 16% der Mütter unter postnatalen Depressionen, während andere Länder diese Form von Depressionen kaum kennen. Das liegt wohl daran, dass in diesen Ländern die Babys Tag und Nacht bei ihren Eltern sind –  und die Mütter dennoch viel weniger an PND leiden. Aber woran liegt das? Die Antwort scheint ziemlich einfach, Co-Sleeping/Familienbett gehört in diesen Kulturen zur absoluten Normalität.

Wenn Mama und Baby nahe beieinander sind, können beide tiefer schlafen. Wenn das Baby direkt neben der Mama liegt, muss die Mutter in der Nacht nicht aufstehen, um das Baby zu füttern, es zu trösten, etc.
Für viele Mütter und ihre Kinder ist Co-Sleeping die Lösung, um Schlafdefizite zu minimieren und gleichzeitig die natürlichen Bedürfnisse eines Babys – auch in der Nacht – zu stillen.

Es gibt viele Gründe, die für das Familienbett sprechen.

Hier sind unsere 8 Gründe, warum Sie Ihr Baby bei sich haben sollten in der Nacht:

#1: Das Baby passt sich automatisch dem Tag-/Nachtrythmus an

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn Babys den Tag-/Nachtrythmus durcheinander bringen. Einige Babys schlafen vielleicht tagsüber entspannt mehrere Stunden und sind anschliessend am Abend oder in der Nacht wach. Wenn Sie Ihr Baby ständig (oder oft) bei sich haben während des Tages, wird es mit Licht und Geräuschen konfrontiert. Das hilft Ihrem Baby vielleicht, tagsüber wacher zu sein. Wenn Sie Ihr Baby nachts nah bei sich haben, können Sie seine Bedürfnise in einer ruhigen und gedämmten Atmosphäre stillen. Manche Babys schlafen auch einfach besser, wenn Sie in der sicheren Nähe von Mama schlafen dürfen. Wenn Sie versuchen, Ihr Baby in der Nacht in ein ruhiges Zimmer in sein eigenes Bett zu legen, merkt es wahrscheinlich Ihre Abwesenheit und schläft nicht so gut. Säuglinge brauchen oft die Brust oder die Flasche, vorallem in der Nacht. Das heisst nicht, dass der Tag-/Nachtrythmus durcheinander geraten ist. Es heisst lediglich, dass Sie die zusätzliche Nahrung brauchen. Co-Sleeping bedeutet, dass Sie diese Bedürfnisse so schnell wie möglich im Halbschlaf stillen können und so zu mehr Ruhe kommen (z.B. im Bett stillen).

 

#2: Co-Sleeping hilft Ihrem Baby „herunterzufahren“

Vielleicht finden Sie die Aussage ansprechend, dass Ihr Neugeborenes in  einen tiefen Schlaf fallen und dann auch tief weiterschlafen soll. Aber das ist nicht die natürliche Art von Schlafverhalten, die ein Baby hat.

Professor James McKenna hat herausgefunden, dass Babys, welche nahe bei ihrer Mama schlafen, zwar einen leichteren Schlaf haben, aber nie vollständig erwachen. Für Neugeborene ist es sicherer, wenn sie einen leichteren Schlaf haben. Ihr Baby kann so seinen Selbstschutz besser agieren und bei Gefahr, wie beispielsweise Überhitzung, wenn es friert oder wenn etwas seine Atemwege blockiert, sofort auf sich aufmerksam machen. So sind Sie in der Lage, sofort zu handeln. Es kann also auch das SIDS (Sudden Infant Death Syndrome: Plötzlicher Kindstod) Risiko vermindern.

#3: Babys Bedürfnisse stillen ohne aufstehen zu müssen

Die meisten Babys möchten nachts gefüttert, beruhigt oder gewickelt werden. Wenn das Baby nahe bei der Mama schläft, kann sie diese Dinge alle im Bett im Halbschlaf erledigen. Aus dem Bett aufzustehen, den Flur entlang ins Kinderzimmer oder zum Wickeltisch im Bad zu spazieren, das Baby in den Schlaf wiegen, bedeutet für die Mama, dass sie vollständig wach wird und es für sie schwieriger ist, wieder einzuschlafen.

Wenn man sich also nur kurz auf die andere Seite rollen muss, um die Bedürfnisse seines Babys zu stillen, bedeutet das für die Mama und auch für das Baby mehr Erholung. Wenn die Bedürfnisse Ihres Babys schnell befriedigt werden, schläft ihr Baby auch eher wieder ein, vielleicht mit ganz wenig Hilfe von Mama.

 

#4: Weniger Weinen in der Nacht

Babys schlafen gut, wenn sie sich sicher und geborgen fühlen. Zu wissen, dass  Mama in ihrer Nähe ist, hilft dem Baby, besser zu schlafen und weniger zu weinen.
Mütter, welche Co-Sleeping praktizieren, sind in der Lage, die frühen Hungerzeichen eines Babys wahrzunehmen und sie so schnell wie möglich zu stillen – bevor das Baby weinen muss.
Wenn Sie alle zusammen in einem Bett schlafen, müssen Sie nicht versuchen, das Baby in sein Bettchen zu legen und abzuwarten, bis es genug tief schläft. Das bedeutet ebenfalls weniger Weinen. So haben Sie nie ein übermüdetes Baby, welches protestiert, wenn es in sein Bettchen gelegt wird.

 

#5: Co-Sleeping hilft, eine gute und sichere Bindung zum Baby aufzubauen

 

Eine sichere Bindung zwischen dem Baby und seiner Betreuungsperson ist eine emotionale Verbindung, welche dem Baby Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Diese sichere Verbindung und geborgene Kindheit, vermitteln dem Baby, dass seine Bedürfnisse immer sofort gestillt werden. Kinder mit gestillten Bedürfnissen und einem sicheren Band zu ihrer Mutter reagieren später oft mit weniger Stress, wenn Mama mal weggeht und freuen sich, wenn sie zurück kommt.

Co-Sleeping hilft, die Bindung zu seinem Baby aufzubauen. Wenn die Mama so Nahe bei Ihrem Baby ist, schüttet sie das „Liebes-Hormon“ Oxytocin aus. Dieses Hormon spielt eine grosse Rolle beim Aufbau der Bindung zu seinem Baby. Das Familienbett hilft zudem, dass man immer sofort auf die Bedürfnisse seines Babys reagieren kann. So lernt das Baby, dass sich die Mutter immer schnell um die Bedürfnisse kümmert. Ein gestilltes Bedürfnis verschwindet irgendwann, während nicht gestillte Bedürfnisse immer wieder auftauchen.

Natürlich ist es auch möglich, eine enge Bindung zu seinem Kind aufzubauen, wenn man kein Familienbett hat. Co-Sleeping hilft aber zum Beispiel dabei, wenn die Mutter tagsüber arbeiten muss, oder wenn die Mutter noch ältere Kinder hat, um welche sie sich kümmern muss. Diese nächtliche Nähe gibt Ihnen die Chance, ruhige Zeit zu Ihrem kleinsten Familienmitglied zu pflegen.

#6: Co-Sleeping hilft, die Nachfrage nach Muttermilch optimal anzupassen

 

Stillen nach Bedarf hilft dabei, immer die perfekt passende Menge Muttermilch für sein Baby zu haben.  Muttermilch wird auf Nachfrage produziert. Die Nachfrage regelt das Angebot. Babys trinken in der Nacht öfters, das ist ganz normal. Co-Sleeping hilft, das Hungerbedürfnis auch in der Nacht jederzeit zu stillen. Wenn Sie in der Nacht öfters stillen und nicht versuchen, die Mahlzeiten  hinauszuzögern, können schmerzhafte Milchstaus verhindert werden.

 

#7: Mehr Erholung für die Mama

 

Auch Mütter – nicht nur Babys – brauchen diese enge Bindung zu ihrem Baby. Studien haben gezeigt, dass Mütter, welche Ihre Kinder in der Nacht ins Hebammenzimmer abgeben, trotzdem nicht besser schlafen.

Co-Sleeping bedeutet vielleicht nicht für jede Mama mehr Schlaf, aber viele Mütter schlafen besser, wenn ihr Baby in ihrer Nähe und in Sicherheit ist. Mamas schütten zudem Oxytocin aus, wenn Sie nah bei ihrem Baby schlafen. Oxytocin verbessert die Schlafqualität und ist zudem gut für die Milchbildung.

 

#8: Kuscheln und ganz viel Nähe im Familienbett

Dieser Punkt wurde zwar nicht durch Studien belegt, aber es braucht auch gar keine. Nächtliche Kuschelstunden können ein wundervoller Teil der Baby-Mama-Beziehung sein.

 

Sicher schlafen im Familienbett – Einige Tipps

Co-Sleeping bietet viele Vorteile. Aber wie sicher ist diese Schlafmethode „Familienbett“? Vielleicht machen Sie sich Sorgen, dass Sie sich auf Ihr Baby rollen könnten. Wenn Sie einige Regeln beachten, ist Co-Sleeping eine sehr sichere Option für Familien, um erholsam zu schlafen.

  • Benutzen Sie eine feste Matratze und ein Bettbezug, in dem sich das Baby nicht verfangen kann
  • Eltern, welche im Familienbett schlafen, dürfen keinen Alkohol getrunken, keine Medikamente oder Drogen eingenommen haben
  • Wenn Sie rauchen, soll Ihr Baby in einem Beistellbett mit eigener Matratze und eigenem Bettzeug schlafen
  • Grössere Kinder sollten mit einem Baby unter einem Jahr möglichst weit entfernt im Famileinbett schlafen. Das Baby am Besten in einem Beistellbett, in welches das grössere Kind nicht hineinrollen kann
  • Halten Sie Kissen und Decken von Ihrem Baby fern und achten Sie darauf, dass Ihr Baby nicht überhitzt
  • Wenn Sie besonders tief schlafen, unter Schlafapnoe leiden oder extrem übergewichtig sind, sollte Ihr Baby im eigenen Beistellbettchen schlafen
  • Tragen Sie keine Kleidung mit langen Bändern und binden Sie lange Haare zusammen
  • Wenn Sie Ihr Baby nicht stillen, sollte es im Beistellbettchen direkt an Ihrer Seite schlafen

 

Jede Familie muss seinen eigenen Weg finden, wie sie zu genügend Schlaf kommt – Familienbett/Co-Sleeping ist eine Möglichkeit, mit vielen Vorteilen.

 

 

Beitragsbild: Fotolia

1 Kommentar

  1. Andreas says:

    Ich bin Vater von 2 Kindern, 5 und 2 Jahre alt. Wir leben von Anfang an bedürfnisorientiert, tragen unsere Kinder anstatt sie im Kinderwagen zu schieben und lieben unser 270cm Familienbett. Es wurde uns erst von überall davon abgeraten, aber es fühlte sich falsch an, unsere Kinder separat von uns schlafen zu lassen. Daher schliefen sie von Anfang an mit uns im Elternbett bis es zu eng wurde und ich uns ein neues Bett aus zwei Betten zusammenbaute. Die ganzen Probleme, die wir von Bekannten hörten, von wegen, das Baby schreit in der Nacht, wir haben keinen erholsamen Schlaf, gab es bei uns nicht. Wurden die Kinder im Schlaf unruhig stillte meine Frau sie und beide schliefen gemeinsam weiter. Haben die kleinen mal einen schlechten Traum, sind wir da und beruhigen sie und alle schlafen gemütlich weiter.
    Ich kann das schlafen im gemeinsamen Familienbett nur weiterempfehlen. Das ist hier übrigens unseres, falls jemand nach einer Idee sucht sich ein Familienbett zu erstellen: http://familienbetten.net/bauanleitung-familienbett-otto/

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