Die Illusion der perfekten Erziehung

Meine Ziele als Mama sind, eine starke Beziehung zu meinen Kindern aufzubauen und sie mit Liebe, Respekt und Begleitung aufwachsen zu  lassen. Ich möchte Grenzen auf natürliche Art und Weise entstehen lassen, ohne grosse Beeinflussung.

Ich wünsche mir, dass meine Kinder mir vertrauen, dass sie mir nahe stehen und sie jederzeit mit ihren Problemen zu mir kommen und auch noch gerne Zeit mit mir verbringen, wenn sie älter sind.

Ich habe schon einige Bücher zum Thema Erziehung gelesen. Es war eine Herausforderng für mich, den richtigen Weg zu finden. Von allen Seiten wird man mit Tipps eingedeckt. Im Internet liest man viele verschiedene Meinungen. Ich musste zuerst lernen, dass WIR unseren eigenen Weg finden müssen, einen Weg, der für uns passt. Mein Sohn hat viel geweint als Neugeborener. Er hatte grosse Mühe, sich auf der Welt zurecht zu finden. Ich war oft ratlos, verzweifelt und wusste nicht weiter. Ich habe mich als Versager gefühlt.

Nach aussen hin schien meist alles perfekt. Innerlich bin ich auseinandergefallen. Ich wollte anderen gegenüber keine Schwäche zeigen. Ich wollte, dass ich als eine starke Frau und eine gute Mutter dastehe. Mit der Geburt meines Sohnes fing ich aber an, an mir selbst zu zweifeln. Ich hatte das Gefühl, dass ich alles falsch mache, was man irgendwie falsch machen kann.

Dann habe ich eine Trageberatung gemacht und angefangen ihn zu tragen. Stundenlang. Ich war täglich mehrmals draussen und spazierte mit ihm in der Tragehilfe an einem Bach entlang. So konnte ich meinen Kopf durchlüften und mein Baby kam endlich zur Ruhe und konnte ein bisschen schlafen. Als unser Sohn 20 Monate alt war, kam unsere Tochter zur Welt. Ich war mir sicher, dass ich auch mit meinem Mädchen den Weg der bedürfnisorientierten Erziehung wählen möchte. Mein Sohn zeigt mir jeden Tag, dass es der richtige Weg für UNS ist. Er ist empathisch und geht mit Respekt auf andere Kinder und Menschen zu.

In diesen 2 Jahren, seit dem ich Mama bin, habe ich gelernt, dass Perfektionismus zwar zu den Schönen und Reichen dazugehört, aber im echten Leben gar nicht existiert – egal wie fest wir als perfekte Eltern angesehen werden möchten.

Wahrscheinlich ist es zu einfach geworden. Im Internet bekommt man zahllose perfekte Leben, Ehen und perfekte Erziehungen präsentiert. Man kann alles schön reden, und bleibt dabei sogar (fast) anonym. Niemand weiss, wie es wirklich Zuhause aussieht. Wir sind immer wieder umgeben vom Bild der perfekten Eltern. Jeder weiss besser, was gut für das Kind ist. Das gibt sehr schnell das Gefühl, dass man versagt und alles falsch gemacht hat.

Die Wahrheit ist, wir sind Menschen und Menschen machen Fehler. Was aber wirklich zählt, ist wie wir mit unseren Fehlern umgehen und was wir daraus machen. Wir können mit unseren Fehlern wachsen und daraus lernen. Wir lernen soviel, wenn wir Eltern werden: Wir hinterfragen, gehen durch viel Widerstand und lernen unsere Fähigkeiten neu kennen, oftmals entdecken wir Ressourcen, von denen wir gar nicht gewusst haben, dass wir sie besitzen.

Wenn ich frustriert bin, ungeduldig, müde und gestresst – alles normale Dinge im Leben – versuche ich tief durchzuatmen und versuche auszusprechen, wie ich mich gerade fühle. Ich erlaube mir, Fehler zu machen und stehe zu diesen und ich versuche meine Fehler wieder gut zu machen – ich entschuldige mich bei meinem Kind. Und das Wichtigste? Loslassen. Ich lerne, nett zu mir selber zu sein. Wenn ich das alles kann, lernen meine Kinder, wie sie dasselbe machen können.

 

Beitragsbild: Pixabay

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